Der Norwegen-Reiseablauf in Kürze:

Gebucht hatte ich eine 18-tägige kombinierte Norwegen-Reisebus- und Schiffsreise. Im August 2015 startete ich mit dem Bus Richtung Kiel zur Überfahrt mit der Color Line Fähre Color Magic nach Oslo.

Von Oslo aus ging es mit dem Bus über Storefjell, Flåm und Eidfjord nach Bergen. In Bergen erfolgte die Einschiffung auf das Hurtigruten Postschiff MS Trollfjord. Bis Kirkenes und zurück ging es mit der Hurtigruten MS Trollfjord von Hafen zu Hafen. Unterwegs bestand Gelegenheit mit dem Bus Ausflüge zu unternehmen, was ich natürlich reichlich nutzte :-)

Ausgeschifft aus der Hurtigruten MS Trollfjord wurde schon in Florø. Weiter fuhr ich mit dem Bus über Westkap, Briksdalgletscher, Geiranger, Trollstigen und Lillehammer bis Oslo.

Wie schon bei der Hinreise nahm ich die Color Line Fähre, diesmal in Richtung Deutschland bis Kiel. Der Bus brachte mich den Rest der Strecke sicher nach Hause.

Insgesamt war es eine erholsame und landschaftlich sehr eindrucksvolle Reise. Sollte ich nochmal nach Norwegen kommen, würde ich allerdings nicht mehr mit dem Reisebus, sondern mit dem Auto über Land fahren. Ich brauche einfach mehr Zeit, als man bei einer Reisegruppe mit festem Zeitplan bekommt. Der Fahrt mit dem Hurtigruten Postschiff ist jedenfalls uneingeschränkt empfehlenswert.


Norwegen im Detail:

Tag 1 - Einschiffung in Kiel - Color Line Fähre
Bequem werde ich und die Mitreisenden per Bus bei einer Tasse Kaffee nach Kiel gebracht.

Gegen 13:00 Uhr kommen wir in Kiel am Norwegenkai an und schiffen ein. Die Fähre erscheint mir fast so groß wie ein Kreuzfahrtschiff. Für Unterhaltung ist gesorgt. Eine Einkaufspassage, Restaurants, Kneipen und Bars, ein Casino und vieles anderes befinden sich an Board.

Die Fähre dreht sich um die eigene Achse um den Kompass zu kalibrieren, dann geht es los in Richtung Norwegen, Oslo.

Bei der Ausfahrt aus dem Kieler Hafen kann ich einen Blick auf die in Bau befindliche White Pearl werfen. Sie ist die z. Zt. weltweit größte private Segelyacht mit sagenhaften 140 Metern Länge.

Allein für das Essen im Buffetrestaurant lohnt sich die Überfahrt nach Oslo. Ein Buffet der Superlative mit allem was das Herz bzw. der Magen begehrt. Mein persönlicher Favorit ist das Dessertbuffet mit diversen Torten, Cremes, Eis und natürlich alles vom Feinsten.

Auf Deck bestaune ich die die Storebæltsbroen - Großer-Belt-Brücke – während der Durchfahrt. Sie ist eine kilometerlange Brücke, die zwei Teile Dänemarks verbindet.

Tag 2 - Oslo
In Oslo angekommen mache ich eine Stadtrundfahrt und besuche u.a. die Oper, die aussieht wie eine Eisfläche, und das Wikingerschiffmuseum.

Im Wikingerschiffmuseum sind drei Wikingerschiffe ausgestellt, die man als umfunktionierte Grabstätten gefunden hat. Winkingerhäuptlinge wurden oft in einem Wikingerschiff beerdigt.

Als nächstes steht Holmenkollen, die Skisprungschanze, auf dem Programm. Irgendwie habe ich mir eine Sprungschanzen anders vorgestellt...

Es gibt dort die Möglichkeit mit dem Aufzug zum Anlauf auf der Schanze hoch zu fahren und einen Sprungsimulator. Von hier aus hat man einen guten Blick über den Oslofjord.

Eine weitere Station ist der Vigeland-Skulpturenpark, benannt nach dem Bildhauer, der hier hunderte von Skulpturen aufgestellt hat. Meinen Geschmack hat der Künstler jedenfalls nicht getroffen.

Auf eine Besichtigung des Rathauses mit dem äußerlichen „Scharm“ der 30er Jahre verzichte ich und gehe lieber durch den Schlosspark bis zur Fußgängerzone „Karl Johans gate“. Dort fand gerade ein Open-Air-Konzert statt.

Tag 3 Von Oslo über Torpo, Hardangervidda, Ustaoset, Myrdal nach Flåm
Von Oslo aus ist das erste Ziel die Stabkirche von Torpo. Stabkirchen haben ihren Namen von den hölzernen Stäben, die die Konstruktion tragen. Sie sind sie ganz aus Holz gebaut. Früher hatte Norwegen über 2000 solcher Stabkirchen, jetzt sind es nur noch ca. 20 – 30.

Stabkirchen sind innen sehr dunkel, ursprünglich hatten sie keine Fenster, sondern nur ein paar kleine Löcher weiter oben im Dachboden. Der Dachboden ist in seiner Konstruktion dem Winkingerschiffsbau nachgebildet, sozusagen ein umgedrehtes Schiff. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Stabkirchen in der Wikingerzeit gebaut wurden.

Nächstes Ziel ist die Hochebene Hardangervidda. Wegen Regen und Nebel mache ich von der tollen Landschaft keine Fotos. Die Ebene liegt auf etwa 1200 Meter. Es liegt hier noch eine ganze Menge Schnee.

Zurück auf 900 Höhenmeter besteige ich die Bergenbahn an der Haltestelle Ustaoset.

Wenn man im Zug auf der „richtigen“ (linken) Seite sitzt, hat man zumindest in den ersten fünf Minuten einen schönen Blick auf die mit Schnee bedeckte Berglandschaft. Danach kommen aber fast nur noch Tunnel bis Myrdal.

Vom Bahnhof Myrdal fahre ich weiter mit der Flåmbahn bis Flåm. Die Strecke führt durch eine herrliche, bergige Landschaft mit einem Zwischenstopp am sagenumwobener Wasserfall Kjosfossen. Übrigens, auch hier ist im Zug die linke Seite die richtige ;-)

Flåm liegt am Ende des Aurlandsfjord. Von hier aus kann man mit der Fähre bis zum Nærøyfjord fahren, der zum Welterbe der Unesco zählt.

Tag 4 Bergen
Auf dem Weg nach Bergen komme ich in der Gemeinde Eidfjord am Wasserkraftwerk SIMA vorbei. SIMA ist eins der größten Wasserkraftwerke Europas. Ich nehme an der Gruppenführungen bis zur Turbinenhalle, die 700 Meter im Berg liegt, teil und sehe mir einen Informationsfilm an.

Noch gute fünf Stunden Fahrt bis Bergen...

Zwischenstation lege ich beim Steinsdalsfossen Wasserfall ein. Ein Weg führt hinter den Wasserfall. Sehenswert!

In Bergen angekommen mache ich eine Stadtrundfahrt mit dem Bus. Die Stadtrundfahrt endete am Fuß des Fløyen, dem Aussichtsberg von Bergen. Grundsätzlich hätte ich über einen der Wanderwege hoch laufen können. Ich nehme aber die Fløibanen Seilbahn (bzw. Standseilbahn). Von oben habe ich eine schöne Sicht über Bergen.

Wieder unten angekommen, laufe ich durch das eindrucksvolle Hanseviertel Bryggen, das auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO steht. Mit seinen etwa 60 Gebäuden gilt es als bedeutende historische Sehenswürdigkeit Bergens.

Nun wird es Zeit aufs Schiff zu gehen, die Hurtigruten MS Trollfjord. Erst gibt noch eine Sicherheitsbelehrung und dann kann ich einschiffen.
Tag 5 Ålesund – Geiranger
Heute Morgen erreichte das Schiff Ålesund. Die Stadt ist 1904 nahezu komplett abgebrannt ist. Nach dem Wiederaufbau wurde Ålesund berühmt für die vollständig im Jugendstil errichtete Innenstadt.

Gegen Mittag laufen wir in den Geirangerfjord ein, einen der der schönsten Fjorde Norwegens.

Es ist wirklich eine sehr beeindruckende Landschaft: Berge, schroffe Felsen, Wasserfälle, die Adlerstraße (Ørnevegen). Der bekannteste Wasserfall nennt sich „Die sieben Schwestern“, je nach Jahreszeit kann man tatsächlich bis zu sieben kleinere Wasserfälle zählen. Auf der anderen Seite der Schwestern gibt es den Wasserfall „Freier“, der laut Legende unsterblich in die Schwestern verliebt ist.

Am Ende des Fjordes liegt der Ort Geiranger.

Die Pause in Geiranger nutzte die Mannschaft der MS Trollfjord ein Rettungsboot zu testen. Die Motoren müssen einmal pro Woche geprüft werden.

Tag 6 Trondheim - Rørvik
Trondheim ist die drittgrößte Stadt Norwegens. Die Altstadt von Trondheim liegt zwischen den Armen des Flusses Nidelva, wie eine Halbinsel. Die meisten der Sehenswürdigkeiten liegen auf dieser Halbinsel. Zu den Höhepunkten zählen die Alte Brücke, die Speicherhäuser und der Nidaros Kathedrale. Architektonisch ist sicher auch das Rockheim Museum am Hafen interessant.

Die Nidaros Kathedrale ist die größte Kirche Norwegens und nördlichste gotische Kirche. Nur das Querschiff ist heute romanisch. Beeindruckend sind die Orgeln in der Kathedrale. Die große Steinmeyer Orgel hat 10.600 Pfeifen. Für 53 Mio. Kronen wurde sie 2014 restauriert. Eine andere Orgel stammt vom deutschen Orgelbauer Wagner. Es gibt nur noch wenige erhaltene Wagner-Orgeln. In der Kathedrale wurden früher die norwegischen Könige gekrönt. Kronprinz Haakon und Mette-Marit haben hier geheiratet. Seitdem sind die Termine für Hochzeiten in der Kathedrale für vier Jahre im Voraus ausgebucht.

Vorbei an Rørvik konnte ich einen Sonnenuntergang festhalten.

Tag 7 Polarkreis - Lofoten
Der Polarkreis markiert den südlichsten Punkt (Breitengrad 66,57° N), an dem die Mitternachtssonne 24 Stunden während des Sommers scheint. Für Touristen wurde ein Globus auf der Insel Vikingen (66°31'57.9"N 12°58'12.6"E) aufgestellt, der die Überquerung des Polarkreises sichtbar machen soll (nicht ganz an der richtigen Stelle ;-).

Von Ørnes aus geht es mit dem Bus bis nach Bodø und dort wieder auf's Schiff. Unterwegs besichtige ich ein Denkmal für die Toten des U-Boot KNM Uredd, das im zweiten Weltkrieg versenkt wurde.

Ein weitere Station auf dem Weg nach Bodø ist der Gezeitenstrom Saltstraumen. Hier werden vier Mal am Tag riesige Wassermassen durch den engen Eingang zum Fjord gepresst, dabei entstehen große Strudel.

In Bodø habe ich noch etwas Zeit durch die Stadt zu laufen. Am Bootshafen vorbei zur Innenstadt.

Braut und Brautjungfer in traditioneller Tracht (Bunad) begegne ich zufällig auf dem Weg zum Fotografen :-) Ich darf auch ein Foto machen.

Mit Hurtigruten geht es nach Svolvær, der größten Stadt der Lofoten.

Ich besuche das Eisskulpturenmuseums „Magic ice“. Am Eingang bekomme ich einen isolierenden Umhang und Handschuhe. Bei Minus 6 Grad und im Dämmerlicht bewundere ich die farbig angestrahlten Eisskulpturen.

Eigentlich wollte ich noch zum Militärmuseum, aber die Eisskulpturen waren zu fesselnd.

Tag 8 Tromsø
Ein Tag nach der Polarkreis-Überquerung findet an Board die Polarkreistaufe statt. Neptun und der Kapitän gießen den Mutigen Eiswürfel in den Kragen. Zur Belohnung gibt es eine Urkunde und einen Schnaps.

Höhepunkt des Tages ist Tromsø, die größte Stadt Nord-Norwegens. Die Stadt ist das Tor zum Polarmeer. Erste Station ist das Erlebniszentrum Polaria.

Ein kleine Show mit Robben und die Robbenfütterung schaue ich mir an. Außerdem kann man sich ein paar Aquarien und einen Film über Spitzbergen ansehen.

Mit der Seilbahn Fjellheisen fahre ich auf den Aussichtsberg Storsteinen. Die Seilbahn schafft pro Fahrt ca. 27 Leute, geduldiges Warten ist deshalb von Nöten. Oben angekommen entschädigt die Aussicht. Ich habe einen tollen Panorama-Blick auf Tromsø. Noch ein Tipp: Rechts neben der Aussichtsplattform und den Gebäuden kann man ohne viele Menschen das Panorama genießen und Fotos machen.

Wie sich herausstellt, ist der Grund für den Andrang ein Konzert, das auf der Aussichtsplattform stattfindet. Eine Boy-Band spielt. Muss wohl eine lokale „Größe“ sein, denn die überwiegend weiblichen Zuhörer lauschen mit verklärten Blicken :-))

Letzte Station der Besichtigung ist die Eismeerkathedrale. Sie ist nicht aus Eis gebaut, sieht aber von außen ein wenig wie ein Eisberg aus. Hier finden regelmäßig Mitternachtskonzerte statt.

Tag 9 Nordkap - Honningsvåg
Von Honningsvåg aus fahre ich mit dem Bus zum Nordkap.

Das Nordkap liegt in der Region Finnmark auf der Insel Magerøya („karge Insel“). Magerøya liegt im hohen Norden Norwegens an der Grenze zwischen Atlantik und der Barentssee.

Auf dem Schieferplateau des Nordkaps steht die bekannte Weltkugel.

Am Nordkap beginnt der etwa 7.000 km lange Europäische Fernwanderweg E1. Eine isländische Wanderin macht gerade eine Mittagspause, bevor sie sich mit ihrem Husky auf den Weg macht.

Hier es gibt auch einen Briefkasten. Wenn man eine Postkarte dort einwirft, bekommt diese den offiziellen Nordkap-Stempel. Rentiere werden von den Samen bzw., wie sie früher genannt wurden, „Lappen“ gehalten. Die Rentiere laufen frei auf der Insel herum. Samen gehören zu den Ureinwohnern der Finnmark und haben als Minderheit besondere Rechte in Norwegen.

Ein weißes Rentier ist der Legende nach der Überbringer einer göttlichen Botschaft.

Wieder auf dem Schiff geht es weiter die Küste entlang durch die Barentssee Richtung Osten fast bis zur russischen Grenze nach Kirkenes.

Tag 10 Vardø - Kirkenes - Russische Grenze
Während des Halts in Vardø besuche ich die alte Festung. Heute ist sie ein Kriegsmuseum.

Kirkenes, Endpunkt der nordgehenden Reise mit Hurtigruten. Ich bin nur noch 8 km von der russischen Grenze entfernt. Bis Murmansk sind es etwa 150 km. Schilder in Kirkenes sind teilweise zusätzlich in Kyrillisch beschriftet.

Ich fahre zum Øvre-Pasvik-Nationalpark bis an die Grenze zwischen Norwegen, Finnland und Russland. Hier verläuft die Grenze nach Russland zum Teil entlang eines Flusses.

Zweite Station ist das Øvre Pasvik National Park Center mit dem NIBIO Svanhovd botanischen Garten. Blumen und einen Informationsfilm gibt es zu sehen.

Ab jetzt geht es wieder südwärts.